Neuanlagen

Tiefgaragenzufahrten in Wohngebieten

Die Lärmimmissionen offener Tiefgaragenzufahrten und -rampen können zu störenden Lärmbelastungen führen. Im Rahmen eines Baugesuchs sind deshalb neben der Strassenlärmsituation auch der ruhende Verkehr und die von ihm verursachten Lärmauswirkungen auf die nahen Wohnräume zu beurteilen.

Bild einer Tiefgaragen Einfahrt in einer Siedlung

 

Tiefgaragen von Wohnüberbauungen dürfen und müssen keine störenden Lärmquellen sein.

An allen Fenstern lärmempfindlicher Räume sind die Planungswerte nach Anhang 6 LSV einzuhalten. Für die Beurteilung sind immer die Grenzwerte in der Nacht anzuwenden.

Stufengerechte Beurteilung je nach Art und Grösse der Tiefgarage

Grundsätzlich gilt die Schweizerische Norm (SN) 640 578 für Lärmimmissionen von Parkierungsanlagen des Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) vom 31. Dezember 2016. Diese Norm beurteilt alle Parkierungsanlagen nach der für Gewerbelärm massgebenden Nachtperiode von 19 bis 7 Uhr. Dieser Ansatz soll die Schlafphase schützen.

Ob die Lärmimmissionen von Tiefgaragenzufahrten und -rampen die Planungswerte überschreiten, kann in einem abgestuften Verfahren beurteilt werden.

Stufe 1
Eine Lärmbeurteilung von Tiefgaragenzufahrten ist nicht erforderlich, wenn die Parkplatzzahl sehr tief ist und zudem die Distanz der Lärmquellen zum Empfangspunkt genügend gross ist. Dies kann mit der folgenden Tabelle abgeschätzt werden.

Bagatellgrenze Tiefgaragen

Tabelle Grobbeurteilung Tiefgaragenlärm: Eine erste Abschätzung hilft, unnötigen Aufwand bei kleineren Anlagen zu vermeiden. Als Abstand wird die kürzeste Distanz zwischen Fenstern lärmempfindlicher Räume und der Lärmquelle (Zufahrtsachse, Rampenachse oder Portalöffnung) eingesetzt.

Stufe 2 
Ergibt die Grobbeurteilung in Stufe 1, dass weitere Abklärungen nötig sind, kann mit dem "Berechnungswerkzeug Tiefgaragen" die Lärmbelastung präziser abgeschätzt werden.

Stufe 3 
Für komplizierte Situationen und zwingend für Tiefgaragen mit mehr als 200 Parkplätzen wird ein Lärmgutachten nach SN 640 578 benötigt.

Massnahmen

  • In erster Priorität ist die geeignete Lage einer Garagenzufahrt festzulegen. Dabei gilt es, den kürzesten und am wenigsten störenden Weg von der Strasse zur Einfahrt zu finden.
    Zufahrten und Rampen sollten zudem weder in der Nähe von Balkonen und Sitzplätzen noch von Kinderspielplätzen und anderen gemeinschaftlich genutzten Bereichen angeordnet werden, auch wenn diese privaten und halböffentlichen Aussenräume vom Gesetz nicht geschützt werden.
Bild einer Tiefgaragen Einfahrt in einer Siedlung

 

Die Möglichkeit einer Einhausung der Rampe ist als Massnahme immer zu prüfen.

  • Eine Einhausung der Zufahrt und der Rampe ist auf jeden Fall zu prüfen. Natürlich ist es aus baurechtlichen oder wohnhygienischen Gründen nicht immer möglich, die Rampen vollständig einzuhausen.
  • Die Lüftungsfenster von lärmempfindlichen Räumen sind wenn immer möglich nicht direkt auf die Rampe auszurichten, sondern der Zufahrt abgewandt anzuordnen.
  • Die Regenrinnen müssen lärmarm ausgebildet sein, z. B. mit verschraubten Gusseisenplatten.
  • Für Garagen mit über 40 Parkplätzen oder bei einer Distanz von weniger als 5 m vom Empfangspunkt zur Rampenachse ist eine absorbierende Verkleidung der Rampenwände zwingend notwendig.

Verbleibende Planungswert-Überschreitungen

Verbleiben nach Prüfung aller möglichen Massnahmen Überschreitungen des Planungswertes, kann die kommunale Behörde als Vollzugsbehörde Erleichterungen gewähren. Voraussetzung ist ein überwiegendes öffentliches, namentlich auch raumplanerisches Interesse an der Erstellung der Tiefgarage. Die Immissionsgrenzwerte dürfen jedoch nicht überschritten werden.

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Beitrag in der "Zürcher Umweltpraxis":