Bauvorhaben

Neue Wohnnutzungen entlang von Autobahnen, Hochleistungsstrassen und Bahnlinien am Siedlungsrand

Die kantonale Vollzugspraxis bei neuen Wohnnutzungen entlang von Kantons- oder Gemeindestrassen und Bahnlinien im Siedlungsraum ist nicht anwendbar bei Vorhaben entlang von Autobahnen, Hochleistungsstrassen und Bahnlinien am Siedlungsrand.  

Neue Wohnnutzungen entlang von Autobahnen, Hochleistungsstrassen und Bahnlinien am Siedlungsrand

Erreicht werden muss auch an solchen für Wohnnutzung eigentlich ungeeigneten Lagen eine hohe Wohnqualität, indem alle Wohneinheiten als Ausgleich zu den stark belasteten Fassaden auch ruhige
Fenster- und Aussenbereiche ausweisen. Die Anforderungen für Ausnahmebewilligungen sind hoch.
Die Praxis gilt nur für erschlossene Perimeter, also wenn die Immissionsgrenzwerte massgebend sind.

Bei Kantonsstrassen, Gemeindestrassen und Bahnlinien im Siedlungsraum gelten andere Regeln:

Grundprinzip LSV und PBG

Die Lärmschutzverordnung (LSV) verlangt, dass die Immissionsgrenzwerte (IGW) am offenen Fenster eines lärmempfindlichen Wohnraums eingehalten werden.
Im offenen Fenster messen heisst auch mit offenem Fenster leben.
Das Zürcher Planungs- und Baugesetz schreibt vor, dass Fenster von Wohnräumen ins Freie zu führen haben (§ 302 PBG).
In ihrer Kombination garantieren die beiden Vorschriften eine angemessene Wohnqualität bezüglich Lärmbelastung.

Definition Fenster

Fenster im Sinne der LSV sind Fenster mit Öffnungsmechanismus bzw. mit Rahmen und Flügel, auch wenn diese verschraubt sind.
Keine Fenster sind transparente Fassadenbauteile ohne Öffnungsmechanismus.

Definition Lüftungsfenster

Zur Lüftung genügt ein Fenster, dessen Fläche 5 % der Bodenfläche beträgt und damit einen genügenden Luftaustausch gewährleistet.
Das Fenster muss ins Freie führen und diese Verbindung darf nicht von Fassadenteilen oder anderen baulichen Hindernissen unterbrochen werden.
Der Referenzpunkt für die Lärmermittlung ist die Fenstermitte. Dieser muss jedoch mindestens 1.5 m über dem Geschossboden liegen.
Das Lüftungsfenster (LF) ist das am wenigsten belastete Fenster eines lärmempfindlichen Raumes.
Wenn andere (öffenbare) Fenster vorhanden sind, so muss das LF 5% der Bodenfläche betragen.
Wenn keine anderen Fenster bzw. nur festverschlossene Fassadenelemente zur Belichtung vorhanden sind, so muss das LF jedoch 10% der Bodenfläche umfassen.

Definition Raumtypen

Zur Beurteilung der Ausnahmen gemäss Art. 31 Abs. 2 LSV ist eine Typisierung der lärmempfindlichen Räume notwendig.
Zur einfacheren Handhabung in der Praxis werden diese mit einer Kennfarbe belegt:

  • Als grün werden alle Räume bezeichnet, bei denen die IGW an allen Fenstern eingehalten werden. Sie sind USG- und LSV-konform und erfordern keine Ausnahme.
  • Als gelb werden Räume bezeichnet, bei denen die IGW am Lüftungsfenster eingehalten werden. 
  • Als rot werden Räume bezeichnet, bei denen die IGW an allen Fenstern überschritten sind.

Kontrollierte Belüftung

Eine kontrollierte Belüftung (Einzelraumlüftung, Komfort- bzw. Wohnungslüftung) ist grundsätzlich keine Alternative zum Lüftungsfenster, auch wenn sie in der kalten Jahreszeit den Luftaustausch via Fenster ersetzt.  

Voraussetzungen für Ausnahmebewilligungen

Alle nachfolgenden Voraussetzungen müssen erfüllt werden:

  • Vorgesehen sind Neubauten oder wesentliche Umbauten mit neuer Wohnnutzung entlang von Bahnlinien oder Autobahnen am Siedlungsrand, dessen Aussenräume städtebaulich weniger wichtig sind und der deshalb eher durch abweisende Lärmschutzbauten belastet werden kann.
  • Der Anteil gewerblicher oder nicht lärmempfindlicher Nutzung entspricht dem raumplanerisch zulässigen oder zumindest zweckmässigen Mass.
  • Alle zumutbaren Lärmschutzmassnahmen sind ausgeschöpft. Dazu zählen neben der lärmoptimierten Stellung der Gebäudekörper auch die lärmgünstige Anordnung der Wohnungsgrundrisse. Grundrisse mit Lüftungsfenstern ausschliesslich in Loggien oder Balkonen mit Fassadenbelastungen über den Immissionsgrenzwerten der Empfindlichkeitsstufe III gelten als nicht optimiert.
  • Mit der Anordnung der Baukörper (Riegelbauten) werden lärmgeschützte Aussenräume geschaffen. 
  • Mit gestalterischen Massnahmen am Gebäude (Erker, Atrien) können die IGW nicht an jedem Fenster der lärmempfindlichen Räume  eingehalten werden.

Sind alle oben beschriebenen Voraussetzungen erfüllt, so können für gelbe Räume Ausnahmen beantragt werden.

Es gelten folgende zusätzliche Voraussetzungen:

  • Alle Wohneinheiten verfügen über Wohnräume, die lärmabgewandt orientiert sind und deren Belastungen am Lüftungsfenster die für eine akzeptable Wohnqualität angemessenen IGW der ES II nicht überschreiten.
  • Die Wohnungen verfügen über einen ruhigen Aussenbereich (Balkon, Sitzplatz, Terrasse; Mindesttiefe 2 m und Mindestfläche 6 m2), dessen Belastung am Tag den IGW der ES II nicht überschreitet (lärmexponiertester Empfangspunkt, 1.5 m über Boden).

Für rote Räume kann entlang von Autobahnen, Hochleistungsstrassen und Bahnlinien am Siedlungsrand keine Ausnahme erteilt werden.

Die Gemeinde begründet das für die Ausnahmebewilligung notwendige überwiegende Interesse an einer Wohnnutzung gegenüber dem Lärmschutz.

  

Alle Angaben gibt es auch im .pdf-Format.

   

Bei Kantonsstrassen, Gemeindestrassen und Bahnlinien im Siedlungsraum gelten andere Regeln: