Erschütterungen & Körperschall

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Die Fachstelle Lärmschutz sucht:

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Auch schwach oder gar nicht hörbarer Schall kann unerhört stören. Ihm beizukommen ist oft auch unerhört schwierig.

Während Erschütterungen "nur" als lästige Vibrationen gefühlt werden, ist Körperschall hörbar, nicht unbedingt laut, aber durchaus ebenfalls lästig.

Erschütterungen sind Vibrationen, die über den Boden auf das Gebäudefundament und von hier über die Mauern auf die Wohnräume übertragen werden und vom Menschen unmittelbar gefühlt werden können.

Körperschall sind Geräusche, die durch die vibrierenden Wände und Böden abgestrahlt und vom Menschen hörbar wahrgenommen werden.

In der Schweiz sind etwa 40'000 Personen von störenden oder schädlichen Erschütterungen und Körperschall betroffen. Mit der laufenden Verdichtung und dem zunehmenden Verkehr nehmen die Konflikte tendenziell zu.

Rechtliche Grundlagen

Gemäss Art. 11 Umweltschutzgesetz (USG) sind schädliche oder lästige Erschütterungen an der Quelle zu begrenzen. Zudem gilt hier das Vorsorgeprinzip. Bisher existieren in der Schweiz jedoch weder eine Vollzugsverordnung noch Beurteilungsgrenzwerte.
Bei der Erstellung oder Änderung von Schienenverkehrsanlagen kommt die "Weisung für die Beurteilung von Erschütterungen und Körperschall bei Schienenverkehrsanlagen (BEKS, 1999)" zur Anwendung.
In allen anderen Fällen sind die folgenden drei Regelwerke massgebend:

  • Erschütterungs-Einwirkung auf Menschen:
    DIN 4150-2 (wird zurzeit erneuert)
  • Körperschall-Einwirkung auf Menschen:
    Immissionsrichtwerte nach BEKS
  • Einwirkungen auf Bauwerke:
    VSS: SN 640 312a
      

Gebäudeexterne Ursachen

Hauptauslöser von Erschütterungen in der Schweiz sind die Eisenbahnen. Aufgrund der hohen Gewichte können vor allem bei Unebenheiten wie Weichen, Schienenstössen und Riffeln Vibrationen entstehen und in den Untergrund eingeleitet werden.
Auch schwere Bauarbeiten (Rammen, Sprengungen, Bohrungen, Abbauhammer und andere) sowie Industrieanlagen können zu Erschütterungen im Boden führen.
   

 
Weniger häufig sind Vibrationen, die vom Strassenverkehr ausgelöst werden, da die Gewichte vergleichsweise gering sind. Wenn sich aber Gebäude unmittelbar an der Strasse oder bei Brückenpfeilern befinden, können trotzdem störende Einwirkungen auftreten, vor allem bei unebener Fahrbahnoberfläche.
Die Vibrationen können Schäden an Gebäuden (zum Beispiel Rissbildungen) verursachen oder zu Beeinträchtigungen von Menschen führen.
Neben der Anregungsintensität und der Distanz ist die Struktur des Gebäudes, vor allem die Deckenkonstruktion, der wichtigste Faktor in der Erschütterungsausbreitung. Zusätzliche Faktoren sind die Art des Untergrunds und die Ankoppelung ans Gebäude.
Als extremste denkbare Gesamtsituation kann wohl die Kombination von schweren Lokomotiven, schwammigem Boden und grossflächigen Holzbalkendecken bezeichnet werden.

Massnahmen

An der Anlage:

  • Bahngleis (Masse-Feder-System, Unterschottermatten, Schienen-Schleifen, Stösse verschweissen, und weiteres)
  • Industrieanlagen (elastische Lagerung, Schwingungstilger, und weiteres)
  • Baustellen (erschütterungsarme Bauverfahren wie Betonbeisser anstatt Abbauhammer, Bauüberwachung mit Alarmierung, Rissprotokolle, und weiteres)
  • Strassen (ebene Fahrbahn, keine starre bauliche Verbindung mit Gebäude wie Leitungen, Betonriegel, und weiteres)

Zwischen Anlage und Gebäude:

  • Bodenschlitz (offen oder ausbetoniert)

Am Gebäude: 

  • Versteifung der Decken
  • Elastische Lagerung des Gebäudes
  • Entkopplung zwischen Keller- und Wohngeschossen

Zuständigkeiten

Sanierungen bei bestehenden Anlagen sind Sache des Anlagehalters. Vor allem bei Bahnanlagen sind Sanierungen jedoch mit umfangreichen baulichen Eingriffen und hohen Kosten verbunden und deshalb nur im Zusammenhang mit Neubauten möglich.
Bei neuen und geänderten Anlagen hat der Anlagehalter für eine immissionsarme optimierte Lösung zu sorgen. Bei Bahnanlagen kommt dabei die Weisung für die Beurteilung von Erschütterungen und Körperschall bei Schienenverkehrsanlagen (BEKS) vom 20. Dezember 1999 zum Tragen.
Bei Neubauten mit lärmempfindlichen Räumen sind geeignete Massnahmen frühzeitig einzuplanen und gehen zu Lasten der Bauherrschaft.

Im Kanton Zürich sind die Gemeinden für den Vollzug im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens zuständig. Dazu gehören die folgenden Aufgaben:

  • Prüfung der Baugesuche im Hinblick auf Erschütterungs- und Körperschallimmissionen und je nach Situation Anforderung entsprechender Gutachten
  • Anordnung von Massnahmen bei Überschreitung der massgebenden Richt- und Anhaltswerte
  • Prüfung von Bauvorhaben mit Einsatz von schweren Baumaschinen und Verlangen entsprechender Abklärungen und Massnahmen

Eine grobe Ausscheidung von Erschütterungs- und Körperschall-relevanten Bauvorhaben kann anhand der folgenden Tabelle durchgeführt werden.

Erschütterungs- und körperschall-relevante Bauvorhaben

QuelleKriteriumKritischer NahbereichEinfluss-
bereich
Einfluss grösserer Distanzen

Bahnlinie

Distanz ab nächster Gleichsachse

bis 30 m

bis 60 m

In der Regel nicht relevant

Strasse

>100 LW/h

*)

*)

 

>50 LW/h

*)

*)

 

<50 LW/h

*)

*)

Baustelle

Sprengung

 

bis 80 m

 

Abbauhammer (>200kg)

Rammgeräte

Vibrowalzen

 

bis 60 m

 

Plattenverdichter

 bis 20 m

*) Daten in Erarbeitung

Gebäudeinterne Ursachen

Werden Erschütterungen oder Körperschall nicht durch Erschütterungen im Umfeld erzeugt, sondern durch Quellen im Gebäudeinneren, ist die Norm SIA 181 anwendbar.

Massnahmen

An der Quelle (Anlage):

  • Gerätewahl
  • Geeignete Platzierung
  • Elastische Lagerung
  • Einsatz von Dämpfern oder Schwingungstilgern
  • Regelung der Betriebsintensität (Vermeidung von Resonanzen) 

Auf dem Ausbreitungsweg (innerhalb des Gebäude): 

  • Elastische Trennlagen
  • Schwingungsdämmelemente

Am Empfangspunkt (lärmempfindliche Räume): 

  • Grundrissplanung Gesamtgebäude

(und weiteres)

Zuständigkeiten

Bei bestehenden, neuen und geänderten Anlagen hat der Eigentümer oder der Anlagenverantwortliche für einen immissionsarmen Betrieb zu sorgen.
Bei Neubauten mit lärmempfindlichen Räumen sind geeignete Massnahmen frühzeitig einzuplanen.
Der Vollzug im Kanton Zürich liegt bei den Gemeinden und bei den für die Private Kontrolle zuständigen Unternehmen.

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Branchenverzeichnis des Cercle Bruit

Firmenverzeichnis des Cercle Bruit zum Lärmschutz

Das Firmenverzeichnis des Cercle Bruit (Vereinigung der kantonalen Lärmschutzfachleute) verweist auf Firmen, die in verschiedenen Bereichen des Lärmschutzes tätig sind und gibt Personen die Möglichkeit, Firmen zielgerichtet nach Region und Tätigkeitsgebiet zu finden.

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