Umfahrung Uster West

Strassenprojekt verzögert sich auf unbestimmte Zeit

Im Herbst 2017 hat die Baudirektion die überarbeitete Schutzverordnung für das Gebiet Werriker-/Glattenriet und Brandschänki in Uster festgesetzt. Gegen die Festsetzung sind beim Baurekursgericht zwei Rekurse von Privaten und Verbänden eingegangen, die im November 2018 grösstenteils gutgeheissen worden sind. Die Baudirektion hat beschlossen, den Entscheid des Gerichts zu akzeptieren. Damit verzögert sich die Realisierung des Strassenprojekts Uster West auf unbestimmte Zeit.

Die Rekurse rügten die Moorabgrenzung im Bereich Brandschänki, die fehlende Moorausscheidung und fehlende Nährstoffpufferzonen im Osten des Glattenriets sowie generell fehlende hydrologische Pufferzonen und fehlende Störungspuffer. Die Baudirektion stellte sich auf den Standpunkt, dass die Aspekte der Hydrologie und der Störungen im Rahmen von konkreten Bauprojekten beurteilt werden können.

Weiterzug hätte nur geringe Chancen

Das Baurekursgericht hat im November 2018 dieses Vorgehen abgelehnt und die Rekurse grösstenteils gutgeheissen. Aufgrund der Urteilsbegründung schätzt die Baudirektion die Chancen als gering ein, dass nächst höhere Instanzen anders entscheiden werden. Sie hat deshalb beschlossen, das Urteil zu akzeptieren und die vom Baurekursgericht angeordneten Schritte vorzunehmen.
Die Baudirektion wird darum in den östlichen Gebieten des Glattenriets aufgrund der festgestellten Moorvegetation eine entsprechende Naturschutzzone ausscheiden, die in einem Gutachten eruierten Nährstoff-Pufferzonen-Abschnitte als Naturschutzumgebungszone festsetzen und beim Bund die Erweiterung des Flachmoorperimeters beantragen. Weiter wird sie die Dimensionierung hydrologischer Pufferzonen sowie Störungspuffer von einem Gutachter abklären lassen und entsprechend festsetzen.

Auswirkungen auf Strassenprojekt Uster West offen

Was diese Anpassungen bei der Schutzverordnung für das Strassenprojekt Uster West bedeuten, ist zum heutigen Zeitpunkt offen. Der Kanton wird in den nächsten Wochen die möglichen Auswirkungen und Projektrisiken des Gerichtsentscheids auf das Strassenprojekt unter Einbezug der Stadt Uster vertieft prüfen und die Resultate dem Regierungsrat vorlegen. Dieser wird voraussichtlich im ersten Quartal 2019 entscheiden, ob und in welcher Form es mit dem Strassenprojekt Uster West weitergeht.

Lange Vorgeschichte

Am 22. Oktober 2012 bewilligte der Kantonsrat mit 127:45 Stimmen einen Kredit von 21 Millionen Franken für das Strassenprojekt Uster West. Mit der neuen Strasse könnten das Ustermer Stadtzentrum vom Durchgangsverkehr entlastet und die Rückstaus an zwei Bahnübergängen vermieden werden. Im Frühling 2013 führte die Baudirektion die öffentliche Auflage für das Strassenprojekt durch. Insgesamt gingen 12 Einsprachen ein. Mit sechs Einsprechenden konnte man sich einigen, über die restlichen Einsprachen muss der Regierungsrat als Entscheidungsinstanz bei der Festsetzung des Strassenprojekts befinden. Dies ist jedoch erst möglich, wenn die Schutzverordnung für das Werriker- und das Glattenriet rechtskräftig festgesetzt ist.

Von kantonaler Bedeutung

Die Verbindungsstrasse Tösstal – Glattal (Uster) – Pfannenstiel – Zürichsee ist von kantonaler Bedeutung. Für die Stadt Uster führt diese Verkehrsachse jedoch zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Im Zentrumsbereich beim Bahnübergang Winterthurerstrasse stauen sich aufgrund der langen Schliesszeiten der Bahnschranken die Fahrzeuge und es kommt zu unerwünschtem Schleichverkehr durch die Wohnquartiere.

1981 wurde mit einer kantonalen Volksabstimmung ein Rahmenkredit für die Aufhebung von Niveaukreuzungen Strasse/Schiene an der SBB-Linie Wallisellen – Uster bewilligt. Das Bauwerk am Bahnübergang Uster Werrikon wurde jedoch zurückgestellt, da sich die Stadt Uster und der Kanton nicht auf eine Lösung für die Bewältigung der gesamten Verkehrsabwicklung in diesem Gebiet einigen konnten.

Aufgrund eines Eintrags im kantonalen Richtplan hat der Kanton zusammen mit der Stadt Uster ein Projekt ausgearbeitet, das die Situation für die Stadt und die Verkehrsteilnehmenden erheblich verbessern soll. Mit der neuen Strasse «Uster West» sollen das Stadtzentrum vom Durchgangsverkehr entlastet werden und die Rückstaus an den beiden Bahnübergängen Winterthurer- und Zürichstrasse verschwinden. Diese beiden Übergänge verlieren ihre kantonale und regionale Bedeutung, können aber als innerstädtische Verbindungen weiterhin befahren werden.

Die neu geplante Strasse Uster West weist eine Gesamtlänge von 1'150 m auf, ist zweistreifig mit Spurbreiten von je 3,5 m und umfasst diverse bauliche und begleitende Massnahmen wie den Anschluss an die Winterthurerstrasse im Bereich Brandschänki, ein 470 m langes Überführungsbauwerk über die SBB-Linie vom Lorenplatz bis zur Zürichstrasse, Lärmschutzmassnahmen entlang der Zürichstrasse, den Rückbau der Werrikerstrasse zwischen Werrikon und Winterthurerstrasse sowie die naturnahe Gestaltung und Schaffung von neuen Lebensräumen auf einer Gesamtfläche von 5,5 Hektaren.