Autobahnzubringer Obfelden/Ottenbach

Baubeginn im Jahr 2020 geplant

Um die Gemeinden Obfelden und Ottenbach vom Durchgangsverkehr zu entlasten, baut der Kanton Zürich eine Umfahrung für Ottenbach und in Obfelden eine neu gestaltete Ortsdurchfahrt für den Ortsteil Bickwil. Mehraufwendungen führen nun aber dazu, dass der Regierungsrat beim Kantonsrat einen Zusatzkredit beantragen muss.

Am 23. September 2012 sprachen sich 62,6 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten für den A4-Zubringer aus und bewilligten damals den Kantonsanteil von 38,9 Millionen Franken. Die Gesamtkosten des Strassenprojekts wurden damals auf 65,4 Mio. Franken veranschlagt, wobei der Bund 25,8 Mio. Franken und die beiden Gemeinden Obfelden und Otten¬bach je 350'000 Franken übernehmen.

Die Kreditbewilligung basierte auf einem Vorprojekt aus dem Jahr 2010. Dabei wurden die reinen Baukosten aufgrund von Erfahrungen und im Vergleich mit ähnlichen Bauten ermittelt. Wie bei grossen Strassenprojekten üblich, begann die Detailplanung für das Projekt und für die Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen erst nach der Volksabstimmung. Diese Projektierungsarbeiten ergaben nun Mehrkosten, die der Regierungsrat beim Kantonsrat beantragen muss.

Die Mehrkosten haben verschiedene Ursachen. So sind die Land- und Liegenschaftspreise in den beiden Gemeinden aufgrund der besseren Erschliessung durch die Autobahn A4 seit dem Jahr 2010 kontinuierlich gestiegen. Dies führt zu einem Mehraufwand beim Landerwerb (CHF 0,94 Mio.). Höher ausgefallen sind auch die Aufwendungen für die Entsorgung von Altlasten (CHF 2,1 Mio.) sowie die umfangreiche Projektierung (CHF 2,32 Mio.). Diese gestaltete sich aufgrund von strengen Umweltschutzauflagen, archäologischen Sondierungen und den zahlreichen Einsprachen und Rekursen im Bewilligungsprozess deutlich aufwendiger als geplant.

Ebenfalls im Zusatzkredit enthalten ist je ein Posten für Unvorhergesehenes und für Werkleitungsarbeiten. Der Posten für Unvorhergesehenes von 6,8 Millionen Franken entspricht einer Reserve, die nicht zwingend in Anspruch genommen werden muss. Völlig kostenneutral sind die Werkleitungsarbeiten in der Höhe von 2,72 Millionen Franken, die nach Abschluss der Arbeiten von den Werkeigentümern zurückerstattet werden.

Damit die Bauarbeiten im Falle von unvorhergesehenen Aufwendungen nicht unterbrochen werden müssten, beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat deshalb einen Kredit von 14,88 Millionen Franken. Insgesamt wird der Autobahnzubringer Obfelden/Ottenbach rund 5,36 Millionen Franken teurer als vor neun Jahren veranschlagt. Sofern der Kantonsrat diesem Antrag dieses Jahr noch zustimmt, kann mit den Bauarbeiten im Jahr 2020 begonnen werden. Die Bauzeit beträgt rund drei Jahre.

Naturschutz ist wichtig

Für die Kreditbewilligung wurde – wie im Strassenbau üblich – lediglich ein Vorprojekt erarbeitet. Die Konkretisierung und Detailplanung des Projekts und der Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen begann deshalb erst nach der Volksabstimmung. Diese Detailplanung nahm bei diesem Projekt viel Zeit in Anspruch, galt es doch, den Anforderungen der Gesetzgebung im Bereich des Natur-, Landschafts- und Heimatschutzes gerecht zu werden. Dazu war auch ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission einzuholen.

Im Oktober 2014 fand die Planauflage für das Detailprojekt statt. Die Baudirektion hat ein Projekt aufgelegt, das möglichst wenig juristische Angriffsflächen bietet. Die Erfahrung zeigt, dass die Rechtsmittelverfahren ein Projekt weit mehr verzögern als eine breit vernehmlasste und für alle Seiten tragbare Lösung.

In der Auflagefrist sind total 77 Einsprachen eingegangen. Rund die Hälfte betrifft den Landerwerb. Je ein Viertel betrifft den Lärmschutz und die Linienführung. Das kantonale Tiefbauamt führte mit zahlreichen Einsprechenden Gespräche, worauf 15 Personen ihre Einsprache zurückgezogen haben. Der Regierungsrat hat das Projekt im Juli 2016 gemäss §15 des Strassengesetz festgesetzt und einige Einsprachen gutgeheissen, die entsprechend im bereinigten Auflageprojekt berücksichtigt worden sind. Die restlichen Einsprachen hat der Regierungsrat abgewiesen oder ins Enteignungsverfahren verwiesen.

Innerhalb der Beschwerdefrist sind gegen die Projektfestsetzung beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich fünf Beschwerden von Privatpersonen eingegangen. Diese betreffen projektspezifische Anliegen. Zwischenzeitlich konnten zwei Beschwerden durch Vergleiche erledigt werden. Die verbleibenden drei Beschwerden sind beim Verwaltungsgericht hängig. Da diese das Projekt nicht grundsätzlich in Frage stellen, werden die Vorbereitungsarbeiten für den Bau des Autobahnzubringers soweit als möglich vorangetrieben. Trotzdem können die Bauarbeiten frühestens 2019 beginnen.

Eine gute Sache für alle

  • Der A4‐Zubringer entlastet Obfelden und Ottenbach wirksam von Durchgangs‐ und Schwerverkehr und vereint den Schutz von Bevölkerung und Schulkindern auf bestmögliche Weise mit dem Schutz von Natur und Landschaft.
  • Am meisten profitieren vom A4‐Zubringer die Dorfbewohner und Schulkinder in Obfelden und Ottenbach. Sie erhalten einen sicheren Schulweg und ein Stück Lebensqualität im Dorf zurück.
  • Der Autobahnzubringer ist ein wesentlicher Bestandteil der flankierenden Massnahmen zur Autobahn A4 im Knonaueramt und wird deshalb auch vom Bund mit 25,8 Mio. Franken zu Lasten der Nationalstrassen mitfinanziert.
  • Mit der Entlastung der Dorfzentren erhält der öffentliche Verkehr in Obfelden und Ottenbach endlich wieder Priorität.
  • Zum A4-Zubringer-Projekt gehören umfassende Umweltschutz- und Aufwertungsmassnahmen mit Dutzenden von Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen im Bereich der sensiblen Reusslandschaft in Ottenbach. Auch der Verzicht auf die ursprünglich geplante Umfahrung Obfelden-Bickwil zeigt klar: Der Naturschutz wird beim A4-Zubringer ernst genommen und mit hoher Priorität umgesetzt.
  • Das Projekt ist das Ergebnis eines rund zehnjährigen Planungs- und Projektierungsprozesses, in dessen Verlauf alle möglichen Varianten, Untervarianten und Aspekte detailliert geprüft und mit grossem Aufwand untersucht wurden. Es ist die bestmögliche Lösung für das Problem.